Früher gab es Sturm – im Frühjahr ein bis zwei, im Herbst zwei bis drei und auch mal einer im Sommer, bei Gewitter, aber nicht immer. Es gab die sprichwörtliche „Ruhe vor dem Sturm“, die sich anfühlt, als ob die Welt gerade zum Stillstand käme. Das war immer ein bisschen gruselig, aber man war gewarnt. Man holte die Wäsche rein und danach kam sie wieder raus.
Jetzt gibt es Wind und der kennt keine „Ruhe vor“. Starker Wind ist auch nicht selten, ähnlich wie damals der Sturm, nur dass er tagelang anhält.
Heute ist so ein Tag, schon der zweite, um genau zu sein. Es bläst so wild, dass die Blumenkästen wackeln. Da ich nicht riskieren will, dass es den Ständer über die Brüstung hebt, lasse ich die Wäsche drin.
Eigentlich ganz schön anzuschauen, so ein Herbstwetter. Die Wolken ziehen, die Sonne kommt und geht. Wie am Meer. Nur ohne Meer.