Meine erste eigene Wohnung lag in einer Siedlung aus den Zwanzigerjahren. Es gab nur Erdgeschoss, erste Etage und Dachwohnung, dazu für jede Mietpartei eine Gartenparzelle hinter dem Haus. Die Gemeinschaft war gut, die Jungen hatten ein Auge auf die Alten, die Alten wussten Rat in allen Fragen von Haus und Garten.
Unter mir lebte ein kinderloses Ehepaar, sie Mitte achtzig, er deutlich älter. Sie waren eines dieser liebevollen Paare, bei denen einem das Herz aufgeht, aber ich habe sie nicht beneidet. Ich lebte selbst mit meiner, wie ich glaubte, ewigen Liebe zusammen, und damit war die Sache für mich klar. Alt würden wir von allein werden, und haste-nicht-gesehen wären es auch bei uns 60 Jahre plus x.
Worum ich die Frau beneidet habe, war ihr tägliches Einkaufen. Es ging etwas Friedlich-Zufriedenes von diesem immer gleichen Weg aus. Und wenn sie zurückkam, lag das Gemüse offen in der Tasche, nie war sie bepackt wie ein Esel.
Jetzt mache ich es selbst so. Ich koche für zwei Tage, so viel Effizienz muss dann doch sein, aber was ich dafür brauche, kaufe ich frisch, und kein Ausleiern der Arme dämpft meine gute Laune. Oft spüre ich das Gefühl von damals, es ist exakt dasselbe, nur meldet es sich nicht als Sehnsucht, sondern als Genuss mit einer Prise Genugtuung darüber, dass ich mir diese Entschleunigung erlaube.