Es heißt, jeder uneigennützige Dienst beschenke einen auch selbst. Nun ja, das mag sein, aber: Bekommt man etwas davon mit? Meistens nicht. Zu lange ist es her, zu verschieden sind Ursache und Wirkung.
Aber manchmal eben doch.
Da war eine Mutter und es war ein Schwiegersohn. Beide vor vielen Jahren in die USA eingewandert, sie aus Deutschland, er aus El Salvador. Um eine gute Basis zu schaffen, beschließt die Frau, Spanisch zu lernen. Sie bleibt dran und kämpft sich durch, freut sich über die kleinen Gespräche, die mit dem jungen Mann und seiner Familie möglich werden.
Jahre vergehen. Inzwischen ist das Spanisch der Frau so weit fortgeschritten, dass sie einen Konversationskurs besuchen kann. Dort trifft sie auf Menschen, die aus Süd- und Mittelamerika stammen, aus den Ländern Asiens und Europas. Die wenigen eingeborenen US-Amerikaner:innen haben lange im Ausland gelebt, z. T. wurden ihre Kinder dort geboren. Alle sprechen sie Spanisch.
Sie haben eine vergnügliche Zeit zusammen, mit ihrem unverdrossenen Bestreben, einen Weg vom Radebrechen in flüssiges Sprechen zu finden, sind neugierig auf die weltumspannenden Erfahrungen der jeweils anderen.
Es ist ein Drop-in-Angebot, wöchentlich, offen für alle, die Zusammensetzung variiert, die Themen kommen aus der Mitte der Gruppe. Ist die Zeit um, gehen die Teilnehmer:innen wieder auseinander. Als Menschen verbunden.
Fasziniert höre ich dem Bericht über diese Treffen zu. Man kann eine Gruppe organisieren, nicht aber diese besondere Qualität, denke ich. Und dennoch: Durch mindestens eine der Teilnehmer:innen wurde die Saat dazu gelegt, viel früher und an anderer Stelle, ohne die Erwartung einer Gegenleistung, mit einem Dienst am Nächsten. Was daraus erwächst, bleibt wie immer Überraschung; es ist schließlich ein Geschenk.