Schwester T.

Kraft sein. Segen sein.

Altersbedingt befreit

Verfasst von

in

Hat man die Fünfzig überschritten, lassen Jugendliche ihre Konversation ungeniert durch einen hindurch pendeln, ein bisschen so, als sei man ein Hogwarts-Geist.

So auch heute in der U-Bahn.

Ein Junge, ein Mädchen, direkt hinter dem Fahrer, rechts von mir, stehend; drei weitere Jungs bei der nächsten Tür, links von mir, sitzend, zwei davon in ein Fußballmatch verstrickt. Anscheinend spielen sie gegeneinander – auf den Handys natürlich. Der dritte, mobil-los, schaut mit rein. Die Beiden rechts behandeln ihr eigenes Thema; laut genug, um die anderen teilhaben zu lassen.

„Ich muss zu meiner Oma“. Stöhnen.

„Oh! Ich bin total gern bei meiner Oma.“

„Naja. Ich würde lieber in Berlin bleiben. Champions-League-Finale gucken.“

„Meine Oma ist toll. Die macht die ganze Zeit Mittagsschlaf.“

„Ey“, kommt es von links. „Wie isses jetzt mit Snowboard.“

„Weiß noch nicht. Muss zu meiner Oma. Sieben-dreißig Abfahrt …“ Stöhnen.

Das Mädchen: „Tiefschnee ist toll.“

Links: „Aber nicht gleich schwarz, sonst brichst du dir auch den Arm wie der da, Alter.“ Gelächter. Abwinken. „Der Arsch war schlimmer.“

Haltestelle. Alle außer dem Jungen mit der Oma steigen aus. Mächtiges Gerangel unter den Jungs.

„Tschüs“, ruft das Mädchen.

Erfrischend, das Ganze. Vom Verstehen bin ich altersbedingt befreit.