Schwester T.

Kraft sein. Segen sein.

Erfolgsrezept

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Ein überaus betagtes Ehepaar steigt in die U 2 und fragt nach dem Hauptbahnhof. Ein Mann gibt Auskunft, die alten Leute nicken.

„Am Alexanderplatz. Umsteigen. Vielen Dank.“

Ich stehe neben der Bank, auf der sie sitzen, und sehe Ratlosigkeit in ihren Gesichtern. Leise fragt mich die Frau: „Und wo ist dieser Platz? Wir sind fremd hier, fahren jetzt wieder nach Hause.“

Sie sind herzallerliebst, diese Beiden, wie sie sich an den Händen halten und betonen, wie offen die Berliner:innen doch seien. „So hilfsbereit“, sagt die Frau, und jedes ihrer orange-roten Haare scheint zu leuchten. „Überall Engel. Wissen Sie, es ist ja alles geistig …“ Der Mann wiederum – Tweed-Jacket, Hornbrille, sehr gerade Haltung – meint, die Deutschen hätten ein grundlegend freundliches Wesen.

In den fünf Minuten Fahrzeit breiten sie das Rezept für eine gelungene Ehe großzügig vor uns Jüngeren aus: aneinander festhalten, positiv auf die Welt schauen und dabei den ganz eigenen Blick und Standpunkt nicht verraten. Bei den Beiden sieht das einfach aus.

Da auch ich am Alex umsteige, bringe ich sie die Treppe hinunter zur U 5. Ich wünsche ihnen eine gute Heimreise und lege ein großes Danke! in mein Lächeln. Denn morgen ist mein Hochzeitstag; das Rezept habe ich mir gemerkt.