Vormittags im Park. Ein etwa vierjähriges Mädchen auf Rollschuhen stürzt, die Schwester fährt mit ihrem Laufrad daran vorbei. Die Mutter stellt das Mädchen wieder auf die Beine und es fährt weiter. Keine Tapferkeit, keine Tränen. Hinfallen, aufhelfen lassen, weiterfahren und kein Blick zurück. Alle Drei ohne Sorge.
Therese
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Überraschung
Das Wetter garantiert Überraschungen. Ich orientiere mich nur grob an der Wetterkarte, deshalb komme ich ziemlich regelmäßig in deren Genuss. Zum Beispiel heute.
Nach wie vor liegt Schnee und in der großen Gießkanne schwimmt eine letzte dünne Schicht aus Eis. Es ist kalt. Und dennoch: Die Sonne scheint und (Überraschung:) sie bleibt, die Vögel erzählen einander vom Frühling und auch ich will einfach nur ins Freie.
Also habe ich alles liegen uns stehen gelassen und mein Wohnzimmer hergerichtet (Wer hält sich schon an die eigenen To-do-Listen?!). Da der Raum, der als Wohnzimmer vorgesehen ist, bei mir ein Arbeitszimmer mit Sofa ist, habe ich das Eigentliche, will sagen: den Platz für Muße und das pure Sein, nach draußen verlegt. Dort gibt es jetzt mein Mittagessen und den Kaffee, in der Sonne. Alles lacht mich an.
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Schelm
Noch einmal Winter, satt. Schnee, Eisregen, kollabierende Öffis. Ich bin früher aufgestanden und zu nachtschlafender Zeit mache ich mich zu Fuß auf den Weg. Wie erhofft, ist der Schnee unberührt und ich finde gut Halt unter den Sohlen. Nur ein Zeitungsausträger rumpelt mit seinem E-Bike an mir vorbei, ansonsten ist es still.
Da torkelt mir auf einer verlassenen Kreuzung ein kräftiger junger Mann mit gepflegtem Bart entgegen, die Jacke offen, irgendwie beschwingt. Mit wenigen Schritten schafft er es, seine Bahn so zu nehmen, dass er frontal auf mich zusteuert. Wir weichen beide gleichzeitig aus, er reißt die Arme auseinander, als wolle er die Welt umarmen oder ein Lied anstimmen. Dann spricht er mich an, klar und deutlich:
Magst‘ mir ’n Salat kaufen?
Salat?? Ich stutze, dann pruste ich los. Er stimmt mit ein, in seinen Augen glitzert es. Ein Schelm. Ach, Berlin, was tust du gut!
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Unterwegs
Gestern in der U 6. Eine Frau steigt ein, legt sofort los: Verkauf der Obdachlosenzeitung, Probleme durch Trennung, bereits im Jobcenter gemeldet, jetzt Wohnung verloren, nur der Hund geblieben. Sie spricht so laut, dass ich zusammenzucke, aber die Stimme ist sympathisch. Jede Spende sei willkommen, sagt sie. Geld, Essen, Trinken, Pfandflaschen. Für sie oder den Hund.
Zielstrebig läuft sie den Gang entlang und schiebt etwas kleinlaut hinterher, ob jemand eine Zeitung kaufen wolle?
Den Finger im Buch, angle ich mit der anderen Hand eine Tüte mit Gebäck aus meinem Rucksack, da ist sie schon fast an mir vorbei. Ich kann gerade noch den Ärmel antippen, vielleicht hört sie auch das Rascheln der Tüte, jedenfalls dreht sie sich um. Sie wirkt völlig verblüfft, mit den Gedanken weit weg. Ein Danke, ein Lächeln, dann eilt sie weiter. Sie hat noch zu tun.
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Schnee
Schnee ist in Berlin zu einer Seltenheit geworden, zumal, wenn er liegen bleibt, diesmal sogar in Rodelhöhe. Und er wird gefeiert, egal, ob er mit Windstößen herunterkommt, oder einfach unter Blau und Sonne ausharrt.
Ich liebe Schnee, und gerade in der Stadt. Die kalte und (gefühlt) saubere Luft bei gleichzeitiger Dämpfung des Lärms: aller Dreck zugedeckt, haha. Trotzdem schön. Und dann die Helligkeit. Ja, ich liebe den Schnee, zumal, wenn er liegen bleibt.