Schnee ist in Berlin zu einer Seltenheit geworden, zumal, wenn er liegen bleibt, diesmal sogar in Rodelhöhe. Und er wird gefeiert, egal, ob er mit Windstößen herunterkommt, oder einfach unter Blau und Sonne ausharrt.
Ich liebe Schnee, und gerade in der Stadt. Die kalte und (gefühlt) saubere Luft bei gleichzeitiger Dämpfung des Lärms: aller Dreck zugedeckt, haha. Trotzdem schön. Und dann die Helligkeit. Ja, ich liebe den Schnee, zumal, wenn er liegen bleibt usw.
Und das ging mir auch früher schon so. Als Kind hatte ich einen rot eingefassten schwarzen Wollponcho mit silberfarbenen Knöpfen. Ich kann mich genau daran erinnern, dass es mein Bruder war, der mich eines Morgens in den Kindergarten brachte – ein Highlight. Und dann. Und dann! Fing es auch noch zu schneien an! Ich konnte mein Glück kaum fassen und beobachtete fasziniert die Muster, die immer neue Flocken auf meinen Poncho malten.
Ein paar Jahrzehnte später wohnte ich direkt hinter der Nürnberger Altstadt und eines Nachts zeigte sich mein Weg ähnlich verzaubert wie heute. Es war spät genug, die Schneedecke lag unberührt. Die Kulisse wirkte märchenhaft; Schneegestöber im Lichtkegel der angestrahlten Burg. Ich ging nach Hause und schrieb ein Gedicht:
Im neu gebornen Schnee
die Einsamkeit
selbst in der kleinen Faust
bereits der Tod
Und während die gezuckerte Stille
leuchtender Nächte mir
den Weg nach Hause weist
prägt sich das Profil
der derben Sohle knirschend
in die staunende Zerbrechlichkeit.
Ich war jung, ich konnte den Tod leicht nehmen. Wie würde ich heute schreiben? Schnee, bleib liegen, dann werd ich es (vielleicht) erfahren!