Ich habe gerade die Straße überquert und wende mich nach links, um zur U-Bahn hoch zu laufen, da kommt mir ein 14- oder 15-Jähriger entgegen und spricht mich an. Er ist in Begleitung eines Freundes, der aber so passiv bleibt, dass ich ihn bald gar nicht mehr wahrnehme.
„Kann ich Sie etwas fragen?“ beginnt der Junge und seine Brackets glänzen mich an. Zwischen den Fingerkuppen balanciert der Filter für eine Selbstgedrehte. „Ja, klar“, sage ich; bestimmt sucht er einen Späti, wo er noch eine Cola bekommen kann.
„Kennen Sie Dennis Schröder?“ und kaum mein verblüfftes Nicken abwartend: „Und Dirk Nowitzki?“ Nun, den kennt ja wirklich jeder. Ich antworte also positiv und schaue mir den jungen Mann etwas genauer an. Er wirkt nicht angeschickert, aber ganz sauber kann er kaum sein, so offenherzig wie er auftritt. Nicht gerade typisch für sein Alter.
Wir reden ein bisschen, ich erfahre, dass er Basketball spielt und gern zu Alba wechseln würde. Ich wünsche ich ihm viel Erfolg dabei. Dann zieht er mit seinem Freund in Richtung Cantianstraße weiter. Dort hat mein Sohn tatsächlich einmal Dennis Schröder getroffen, als der auf Heimaturlaub war. Vielleicht wollen auch die beiden Jungs noch ein paar Körbe werfen – ehe sie ins Bett müssen. Morgen ist ein Schultag.
Später, in meiner Siedlung, wirft ein Vogel sein Solo in die Stille – leider kann ich ihn nicht bestimmen, aber sein Talent ist beachtlich – und da muss ich wieder an den Jungen denken. Beide wollen sich bemerkbar machen, jeder auf seine Weise, jeder in seinem Revier. Von wegen „nicht ganz sauber“! Es ist einfach Frühling: Alles muss raus.