Der Zug ist ausgebucht, reguläre Fahrzeit fünf Stunden 13. Mir gegenüber sitzen junge Eltern mit ihrer zwei- bis dreijährigen Tochter. Auf dem Sitz neben mir stapelt sich ihr Gepäck.
Die Kleine ist ein gewitztes Lockenköpfchen. Bald wird sie Mama und Papa die Welt erklären, doch so weit ist es noch nicht. Im Moment will sie nur Mama. Auf dem Schoß sitzen, während sie „Hey, Pippi Langstrumpf …!“ schmettert, im Arm liegen, wenn sie einschläft.
Mama müsste mal zur Toilette, aber sie wartet.
Als das Mädchen aufwacht, wartet die Mutter geduldig noch ein weiteres Weilchen, löst sich dann und macht sich auf den Weg. Natürlich hat sie alles angekündigt und erklärt, aber was hilft das schon. Papa tröstet leise und bleibt weiterhin abgemeldet. Das Kind leidet eine stumme, tränenlose Qual. Es steht aufrecht auf dem Sitz und schaut mit großen Augen in die Ferne der Wagentür, durch die die Mutter verschwunden ist. Papa stützt es vorsichtig ab, die Situation ist ihm nicht neu.
Mit einem Mal zieht die Kleine resolut ihren Pullover hoch bis unter die Achseln und beginnt sich mit langsamen Kreisen über den zarten Kugelbauch zu streichen. Und weiter, immer weiter, so lange, bis Mama schließlich wieder auftaucht. Dann – ratsch! – ist der Pulli wieder unten. Jetzt kann die Reise weitergehen.