Gestern in der U 6. Eine Frau steigt ein, legt sofort los: Verkauf der Obdachlosenzeitung, Probleme durch Trennung, bereits im Jobcenter gemeldet, jetzt Wohnung verloren, nur der Hund geblieben. Sie spricht so laut, dass ich zusammenzucke, aber die Stimme ist sympathisch, irgendwie wach, noch frisch, als sei es nicht bereits nach 20 Uhr, das Ende eines bitterkalten Tages. Kein Spaß für Wohnungslose. Jede Spende sei willkommen: Geld, Essen, Trinken, Pfandflaschen. Für sie oder den Hund.
Zielstrebig läuft sie den Gang entlang und schiebt etwas kleinlaut hinterher, ob jemand eine Zeitung kaufen wolle? Den Finger im Buch, angle ich mit der anderen Hand eine Tüte mit Gebäck aus meinem Rucksack, da ist sie schon fast an mir vorbei. Ich kann gerade noch den Ärmel antippen, vielleicht hört sie auch das Rascheln der Tüte, jedenfalls dreht sie sich um. Sie wirkt völlig verblüfft, mit den Gedanken weit weg. Ein Danke, ein Lächeln, dann eilt sie weiter. Sie hat noch zu tun.