Schwester T.

Kraft sein. Segen sein.

Lämmchen

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Am etwas späteren Abend, wenn die Sonne nur noch als rot und gelb getönter Horizont zu sehen ist, legt sich der Wind und die Blüten duften so intensiv wie sonst nur am Morgen oder nach einem warmen Regen.

Ich bin ganz voll von diesem Ansturm von Wohlgerüchen und gebe mich der Aussicht auf eine Tasse Tee hin, die meinen Tag abrunden wird, da schießt mir ein kleiner Hund entgegen, ohne Leine, ohne Halsband, sehr jung und wollig wie ein Lämmchen. Er umkreist mich überschwänglich, springt an mir hoch und wuselt so wild zwischen meinen Beinen herum, dass ich meinen vom letzten Schritt noch in der Luft schwebenden Fuß erst gar nicht absetzen kann, aus Furcht, ich könnte den Kleinen treffen. Außer einem Japsen ab und zu macht er kein Geräusch, nichts lenkt von seinem Tanz ab.

Die Halterin kommt mit einem größeren Exemplar derselben Rasse an der Leine auf mich zu. „Na!“, ruft sie, kopfschüttelnd, lachend. „Sie haben wohl ein großes Stück Wurst in der Tasche!“

Habe ich nicht. Dem Lämmchen genügt die Lebendigkeit, die ich gerade getankt habe, um mir ungefiltert seine eigene zu präsentieren. Fröhlich mischen und tauschen wir sie und ziehen dann zufrieden mit doppelter Leichtigkeit weiter.